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VEILCHEN OVER EUROPE - FRÜHJAHR 2005 - TEIL I

Das letzte Gruppenspiel im Uefacup in Utrecht und der dort erreichte Sieg brachte die Austria erstmals nach 20 Jahren ins Frühjahr eines europäischen Bewerbs.
Da es bereits nach Utrecht, via Amsterdam, einen ersten Versuch gab einen eigenen Flieger zu organisieren, stellte sich natürlich die Frage ob man zum nächsten Europacupspiel im Frühjahr tatsächlich das Wagnis eines eigenen Charterfluges eingehen sollte.


Nachdem uns die Auslosung die baskische Topmannschaft Athletico Bilbao bescherte, machten sich die Organisatoren von westtribuene.at daran, die ersten Erkundigungen bei diversen Fluglinien einzuholen. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten und Querschüssen aus den eigenen Reihen, stand es kurz vor Beginn der Hallencups fest.
Erstmalig gab es in Österreich einen von Fans, für Fans, organisierten Charterflug zu einem Europacupspiel.

Der Hallencup wurde zur Bewerbung des Fluges benutzt, da bis zum Spiel gegen Bilbao kein Meisterschaftsspiel stattfand und sonst nur diverse Internetseiten zur Bekanntmachung genutzt werden konnten. Aufgrund des Preises von 250 Euro herrschte von Beginn reges Interesse an den 174 Plätzen auf unserem Flug nach Spanien. Bereits einen Monat vor Abflug konnten wir vermelden, dass unser Charterflug ausgebucht ist. Im Normalfall sollte man annehmen, dass nun alles okay wäre und wir nur noch auf das Rückspiel in Bilbao warten müssten. Die im Februar herrschenden Witterungsbedingungen machten uns jedoch einen Strich durch die Rechnung. Das für 16. Februar angesetzte Spiel wurde wegen Unbespielbarkeit des Platzes abgesagt und um eine Woche verschoben. Anzumerken wäre, dass die Verantwortlichen der Uefa und auch die Delegation der Basken das ihre zu der Absage beigetragen haben. So wurde zum Bespiel berichtet, dass die Spieler Athleticos noch eine Stunde vor Spielbeginn an der Hotelbar gesichtet wurden. Man kann also davon ausgehen, dass von baskischer Seite von Anfang an kein Interesse vorhanden war, das Spiel stattfinden zu lassen. Es wäre interessant, was die mehr als 3000 angereisten Fans Athleticos wohl zum Verhalten ihrer Mannschaft gesagt hätten.

Soweit so schlecht.
Natürlich brachte uns die Verschiebung unerwartete Probleme, denn die ursprünglich gecharterte Maschine war für den neuen Auswärtstermin nicht verfügbar. Notgedrungen mussten wir auf ein größeres Flugzeug umbuchen, was zum einen zwar zur Folge hatte, dass es mit 210 Plätzen nun mehr Plätze gab, zum anderen natürlich aber auch einen höheren Preis. Schlussendlich gelang es, den Flieger fast bis zum letzten Platz zu füllen. Der Verlust hielt sich somit in Grenzen. Festhalten möchte ich an dieser Stelle, dass es für diesen Flug keinerlei Subventionen von Seiten des Betriebsführers der Austria gab.

Nach einem mäßigen Hinspiel, das 0:0 endete, ging es also am Sonntag, 27. Februar nach Bilbao. Einige Mitglieder des Fanclubs Viola Fanatics fanden den Weg nach Bilbao sogar mit dem Zug. Alles in allem hielten sich die Erwartungen der insgesamt 500 angereisten Austriafans jedoch in Grenzen, ist doch Bilbao als extrem heimstarke Mannschaft bekannt. Den Tag verbrachten wir in einem eigens angemieteten Pub. Aufgrund der von westtribuene.at ausgehandelten Spezialpreise bei Bier und Snacks erreichte die Stimmung in Laufe des Nachmittags langsam den Höhepunkt. Bei diversen Fußballsongs und "I'm from Austria" wurde kräftig abgefeiert. Am Weg zum Stadion "San Mames" kam es leider zur ersten Auseinandersetzung mit den örtlichen Polizeieinheiten, wobei Antiterroreinheit wohl die treffendere Bezeichnung gewesen wäre. Ohne ersichtlichen Grund machten vermummte Polizisten Jagd auf die österreichischen Fans. Dass dabei auch Gummigeschoße zum Einsatz kamen, gab uns einen leichten Vorgeschmack auf das was in den folgenden Stunden noch passieren sollte.

Im Stadion waren die Austriafans in einem Sektor direkt am Spielfeldrand im Bereich der Cornerfahne untergebracht. Rechts und links bzw. auch oberhalb waren Anhänger der Basken untergebracht. Eine sicherheitstechnische "Meisterleistung" der Basken. Das Spiel selbst begann mit rollenden Angriffen Athleticos und manch einer dachte wohl mit Grauen, was da vielleicht noch kommen würde. In der 20. Minute war es schließlich soweit und es stand 1:0 für Bilbao. Viele von uns hatten das Spiel jetzt wohl abgehakt und erwarteten eine Abfuhr die sich gewaschen hat. Unsere Spieler, allen voran Libor Sionko, belehrten uns jedoch eines besseren. 16 Minuten nach dem Führungstreffer der Basken stand es plötzlich 1:1, Torschütze Libor Sionko mit einem sehenswerten Schuss ins lange Kreuzeck. Erstmalig lagen sich die Austriafans an diesem Abend in den Armen. Die Ordner im Sektor befanden jedoch, dass unser Torjubel nicht angebracht sei und begannen wahllos auf Fans einzuprügeln. Etliche Fans wurden bei dieser Aktion leicht verletzt. Nur mit Mühe konnten Verantwortliche der Austria schlimmeres verhindern. Langsam beruhigte sich die Lage wieder und man konnte sich wieder dem Spiel widmen. Mit 1:1 ging es in die Pause. Die Gastfreundschaft in Stadion "San Mames" hielt sich jedoch in Grenzen, mussten wir doch feststellen, dass es weder Getränke noch etwas zu essen gab.

Langsam aber sicher ging uns die Präpotenz der Basken ziemlich auf die Nerven, Interventionen waren zwecklos, denn keiner der anwesenden Ordner verstand ein Wort Englisch. Die ständigen Provokationen der heimischen Fans rund um unseren Sektor taten ihr übriges, die allgemeine Stimmung wieder aufzuheizen. So war es kein Wunder, dass es beim zweiten Treffer Libor Sionkos in der 70. Minute wieder einige tieffliegende Gummiknüppel gab und die ersten Münzen, Feuerzeuge und Sessel in unseren Sektor flogen. Die restlichen 20 Minuten feierten die Fans jedoch als einen der denkwürdigsten Auswärtserfolge der jüngeren Austriageschichte. Die Basken wurden in keiner Phase mehr gefährlich und somit wurde mit dem 2:1, der Aufstieg in die Runde der letzten 16 fixiert.

Als sich die Spieler von den Fans verabschiedeten, kam es wieder zu einigen unschönen Szenen mit dem Ordnerdienst, jedoch zeigten die Austriaspieler auch hier, wer Herr in "San Mames" ist und entschieden auch dieses Duell für sich. Nach über einer Stunde Wartezeit wurden wir im Buskonvoi zum Flughafen gebracht, wo wir ein weiteres mal auf unsere Spieler trafen und mit dem einen oder anderen Bier auf den Aufstieg angestoßen wurde. Der General Manager der Austria durfte das Lokal sogar erst verlassen, nachdem er ein Lied angestimmt hatte, mit "so ein Tag so wunderschön wie heute", wurde Toni Polster begeistert verabschiedet. Müde aber überglücklich, landeten wir schließlich kurz nach Mitternacht in Wien.

weiter zu Teil 2
Impressionen

Felly







   




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